Digitale Evolution - Gerald Lembke
9. Dezember 2015

Digitale Evolution statt Revolution – Ein Kommentar

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Vor dem Hintergrund anhaltender Digitalisierungsforderungen an die deutsche Wirtschaft stellt sich die Frage, ob und wie mittelständische Unternehmen, die einen Großteil der deutschen Wirtschaftskraft abbilden, mit diesem Thema jetzt umgehen sollten.

 

Digitale Revolution oder digitale Evolution?

Klar ist: Der Mittelstand muss sich mit dem Thema Digitalisierung beschäftigen. Die Frage ist nur, kann Digitalität das Unternehmen wirklich voranbringen? Was muss an welcher Stelle mit welchen Mitteln geschehen? Denn werden wir auch von den technologischen Möglichkeiten seit 15 Jahren überrannt, musste man doch feststellen, dass vieles nicht marktfähig war. Das ist heute anders. Es haben sich Märkte entwickelt, die  man nicht voraussehen konnte. Das gilt sowohl für die Gigantonmie von Google wie auch für Facebooks Monopolstatus  – und umgekehrt.  Wir haben gesehen, dass viele deutsche Unternehmen hier gut unterwegs waren, aber auf dem Weltmarkt wenig Resonanz fanden.

 

Heute ist es fast umgekehrt: In Deutschland fehlen nach wie vor Nachfragemärkte wie z. B. in den USA. Hier macht die Bundesregierung zwar mächtig Dampf, aber WAS letztendlich durch die Digitale Agenda umgesetzt wird, weiß man nicht. In welche Projekte das reichlich vorhandene Geld investiert werden soll, ist nicht transparent. Dinge wie Breitbandausbau, Cybersicherheit und Standards sollten politisch dringend unterstützt werden, und zwar mit gezielter Förderung. Zumindest diese drei Dinge wären essentiell für den Mittelstand. Die Zukunft liegt hier vor allen Dingen bei Produkten für die Datensicherheit. Die mittelständischen Unternehmen benötigten eine Stimme, die für sie spricht. Eine Stimme der Vernunft und nicht der Euphorie. Von daher sehe ich die Digitalisierung nicht als revolutionären Prozess, sondern als vernunftgesteuerte Evolution.

 

Angst und Veränderungsunlust sind die Barrieren

Zahlreiche Diskussionen mit mittelständischen Geschäftsführern zeigen, dass die Mittelständler keine Revolution wünschen. Sie wollen nicht ihre alten Geschäftsprozesse verlassen, um alles neu digital zu machen. Dennoch müssen sie schauen, erstens ob und zweitens wie sie ihre Produkte und Dienstleistungen evolutionär in künftige Geschäftsmodelle entwickeln, die den Kundenerwartungen und ihrem Verhalten in digitalisierten Umfeldern gerecht werden können. Weniger Aktionismus und mehr Verstand, weniger Revolution und mehr Evolution sehe ich als sinnvolle und pragmatische Haltung bei der Digitalisierung in mittelständischen Unternehmen.

 

Das Überleben eines jeden Mittelständlers hängt heute und in Zukunft nicht an digitalen Prozessen. Mit der digitalen Agenda ist deshalb durchaus eine notwendige Debatte angestoßen worden, die den Druck auf den Mittelstand erhöht. Es kann aber nicht darum gehen, damit weiter Ängste zu schüren, sondern den eigenen Kopf zum Nachdenken zu bewegen. Eine Maßnahmen sollte es sein, Möglichkeiten für die Mittelständler anzubieten, mit denen der Kopf geöffnet und die Haltung reflektiert werden kann. Es muss zunächst die Angst genommen werden, dann öffnet sich der Mittelständler auch den für ihn evtl. notwendigen Entwicklungen in seinem Unternehmen.

 

 

Meine Zukunftsvision – eine digitale Evolution

Wir müssen heute dringend darüber sprechen, wie wir jetzt und in Zukunft digital leben möchten und welche konkreten Ziele wir erreichen wollen. Das ist noch völlig unklar. Digialität erscheint aktuell als heilsbringende Gießkanne, die die Wirtschaft glücklich machen wird. Das sehe ich nicht bedingungslos so. Doch bleibt die Frage, wie Geschäftsmodelle mit digitalen Instrumenten arbeiten sollen.

Ich wünsche mir, dass es der Mittelstand ist, der die leitende Rolle für die digitale Evolution übernimmt. Der momentane Fokus auf Großkonzerne überfordert mittelständische Unternehmen, weil in Konzernen die Digitalität völlig anders verstanden und umgesetzt wird. Wir brauchen einen Konsens darüber, wie wir in 20 Jahren leben und arbeiten wollen! Sollen wir tatsächlich eine vollkommen digital automatisierte Gesellschaft und Wirtschaft werden oder sollte sich alles etwas moderater einpendeln?

Ich bin auf Ihre Meinung und einen Kommentar gespannt.

 

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Über den Autor:

  • Gerald Lembke

    Ich bin Gerald Lembke. Ich bin Autor, Redner, Digital-Wissenschaftler, leidenschaftlicher Vater und seit Kindesbeinen Musiker. Eigentlich arbeite ich als Professor für Medienmanagement. In Wirklichkeit helfe ich täglich jungen bis älteren Menschen, einen intelligenten Umgang mit Digitalen Medien zu finden: Klasse statt Masse für eine erfolgreiche Digitale Transformation. Folgen Sie mir und registrieren Sie sich kostenfrei für meinen Newsletter.

Kommentare(1)

Antworten

Grundsätzlich gilt wie bei Allem: Jedes Ding hat zwei Seiten! Richtig ist: die Digitalisierung bietet Effizienzsteigerungen und Kostenreduktionen. Falsch ist: es muss alles automatisiert sein. Richtig ist. ohne Mensch, ohne „Human touch“ kann beispielsweise kein digitalisierter Vertrieb funktionieren.
Deutschland, so schreibt die einschlägige Wirtschaftspresse, hat bereits den Anschluss an das digitale Zeitalter verpasst.
Fakt ist: die meisten Unternehmen haben den Begriff bereits gehört, die Interpretationen daraus sind sehr unterschiedlich. Will ich den Vertrieb effizienter gestalten, kann ein solches Gespääch beispielsweise nicht mit der Abteilung Online Marketing besprochen werden. Hier sind die Verantwortlichen aus Vertrieb oder ggf. Geschäftsführung gefordert. Die Ziele dabei: wie können Reisekosten minimiert werden und neue Leads generiert respektive mit Verkaufserfolg gekrönt abgeschlossen werden. Die Instrumente dauzu sind bereits alle Webbasiert vorhanden. Einzig der Einsatz, die Auswertung und daraus konkludierender Massnahmen zu ergreifen, dieses Wissen ist noch nicht stark ausgeprägt.
Deutschland hat eine Unternehmenskultur langatmigender Einführungsprozesse, geprägt von Ängsten und noch mehr Vorbehalten oder möglicher Einwände.. und das nicht erst seit dem eine Eisenbanhn mit dem „teuflischen und tödlichen“ Geschwindigkeitsrekord von 30 km/h über die Schiene gefahren ist. So auch heute, Beispiel Hybridveranstaltungen: mit einer solchen Technik werden physische Kongresse noch lebendiger, Reichweiten erhöht, Co2 Bilanzen aufgebessert und Kosten gespart und aus wirtschaftlicher Sicht: weitere Geschäftsfelder generiert. Der meiste Vorbehalt: da kommen ja dann weniger Teilnehmer zu einem Kongress!!
Die digitale Welt, so unser Credo, lebt vom Ausprobieren und der eigenen Grenzenfindung. Dieser fehlende Mut zum Ausprobieren und die Angst möglicherweise etwas Falsches getan zu haben führen zu Unsicherheiten und damit zu allen Vorbehalten. Daraus resultieren dann widerum Verweigerungen gegenüber der digitalen Welt. Und diese Welt erhält jeden Tag neue Technologien, neue Lösungen von denen jeder für sich entscheiden muss ob diese sinnvoll ist oder nicht. Das gilt für den privaten als auch den geschäftlichen Bereich gleichermassen. Von daher sollte man sich damit auseinandersetzen, den Überblick zu behalten. Faktisch: fast ein Ding der Unmöglichkeit. Die Technik lässt sich nicht aufhalten und verändert Märkte. Der Printbereich, der Dienstleistungsmarkt, die Vertriebsprozesse, die Energieerzeugung und-verteilung, der Maschinenbau, und viele, viele weitere Branchen leben bereits mit diesen Techniken – aber noch nicht konsequent. Digitalisierte Daten aus der Energieerzeugung fließen beispielsweise nicht direkt in den Vertrieb mit ein, um daraus neue Geschäftsfelder oder kundenorientierte Lösungen zu entwickeln, die widerum im Einklang mit den Zielen der Politik stehen sollten etc. etc. etc.
Die Lösungen lauten von daher: ständige Informationen, Branchen spezifisches Analysieren aller möglichen Tools und Mut zur Veränderung. Denn Digitalisierung fängt in Köpfen von Menschen an und wird von diesen auch gesteuert – die Technik ist nur Mittel zum Zweck. So auch der selbstlernende Roboter der beispielsweise im haushalt oder gesundheitsbereich eine Rolle übernehmen kann, Hilfsmittel: Kehrseite, daran mag ich nicht deneken aber auch das ist bereits gelebte Praxis, Einsätze in Kriegsgebieten, und dort, Bombenentschärfung in diesem Umfeld sicher positiv, ist aber auch als Bombenleger denkbar – wie beschrieben, jedes Ding hat zwei Seiten. Versuchen wir also das Beste daraus zu machen.

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