18. Oktober 2014

Generation Y – Zusammenarbeit mit einer faulen Generation?

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Fertig mit dem Studium, den Bachelor endlich in der Tasche – was nun?

 

Diese Frage stellen sich derzeit viele junge, ambitionierte Menschen meiner Generation. Diese Generation hat mittlerweile einen Namen: die Generation Y oder auch Millennials. Laut soziologischer Definition gehören zu der Generation Y zwischen 1980 und 1995 Geborene, die in den 90ern aufgewachsen sind und ihre Jugend mit den neuen Medien verbracht haben. Auch bekannt als Digital Natives.

Was erwarten wir uns von der Arbeitswelt, die jetzt auf uns wartet und auf die wir heiß sind – die aber, darf man den aktuellen Berichten glauben, Angst vor uns hat?

Warum ist das so? „Warum?“ ist die zentrale Frage meiner Generation, weshalb die Bezeichnung Y zweideutig zu sehen ist. Zum einen kommen wir nach der Generation X, zum anderen wird Y im englischen „why“ also „Warum“ ausgesprochen.

Und ja, wir hinterfragen, und wir hinterfragen viel.

 

Eigenschaften der Generation Y

Wir sind meistens gut bis sehr gut ausgebildet, haben einen Fach- bzw. Hochschulabschluss, sind medien- und technikaffin, das Smartphone ist unser bester Freund und tiefe Hierarchien mögen wir gar nicht.

Für uns spielt Status, Macht und Geld eine sehr geringe Rolle. Viel wichtiger sind uns Familie, Freunde, Freizeit und vor allem Freiraum. Wir stellen neue Ansprüche an unsere Arbeitgeber, wir verkörpern neue Werte, auf die viele Unternehmen noch nicht eingestellt sind. Employer Branding ist zwar in aller Munde, doch was wirklich zählt, ist die Employer Value Proposition. Also was wird mir geboten? Gibt es eine Work-Life-Balance, habe ich flexible Arbeitszeiten, wird der Ausgleich zum Job toleriert oder gar subventioniert?

Wir suchen nach einem Sinn in unserer Arbeit, sie soll uns glücklich machen und nicht einfach nur das Konto füllen. Das ist uns zwar auch immer noch wichtig, viel wichtiger ist aber, dass wir Freude an dem haben, was wir tun. Ebenso spielen für uns Kommunikation, nette Kollegen und Flexibilität eine große Rolle.

Hierdurch verkörpern wir einen Wertewandel, den wir immer stärker in die Arbeitswelt tragen.

 

Wie die Generation Y die Arbeitswelt verändert:

Warum Personaler und Manager Angst vor uns haben

Hier spielen negative Vorurteile eine entscheidende Rolle. Wir werden oft als verwöhnt, selbstüberschätzt, arrogant und selbstverliebt bezeichnet. In Amerika nennt man die Generation Y auch die „Me me me-Generation“. Ein egoistischer Haufen, der nicht belastbar ist, an hoher Selbstüberschätzung leidet, früh ein Start Up gründet und sein Smartphone beinahe mehr liebt als sich selbst. Mit diesen Rebellen ist nicht gut Kirschen essen und die Unternehmen sind noch nicht bereit für diesen Wandel. Doch da muss ich sagen: Dann haben sie uns nicht richtig verstanden.

Ja, wir haben hohe Ansprüche und ja, Versklavung im Job ist so gar nicht unseres. Aber, dass wir nicht arbeiten und uns dabei bloß nicht überanstrengen und immer um 16 Uhr nach Hause gehen möchten, stimmt so natürlich nicht. Wir sind hoch motiviert zu arbeiten, aber wir tun dies anders als unsere Eltern und wir möchten anders entlohnt werden. Bei uns zählt nicht wie viele Stunden wir im Büro abgesessen haben, dass wir die letzte Mail möglichst spät abschicken um Eindruck zu schinden oder möglichst als erster die Karriereleiter erklimmen. Wir sind keine Ja-Sager wir sind Warum-Frager. Und ich frage: Warum auch nicht?

Wir möchten unsere Bedürfnisse in Einklang mit unserem Beruf bringen. Dabei sind wir aber keineswegs rebellisch, aufmüpfig oder nicht belastbar.

 

Die neue Generation hat Macht – aber warum?

Ja, die haben wir in der Tat. Wir haben ein Ass im Ärmel. Von den Medien oft als Gefahr eingestuft, die unaufhaltsam über unsere Gesellschaft rollt: der Demografische Wandel. Die Knappheit an Fachkräften, der War of Talents. Laut einer Studie der Prognos AG fehlen der Deutschen Wirtschaft bereits im Jahr 2030 rund fünf Millionen Arbeitskräfte. Und da treten wir auf die Bühne der Arbeitswelt. Wir können uns aussuchen wo wir arbeiten, die Firmen müssen uns überzeugen und uns etwas bieten, damit wir zu ihnen kommen. Und wir brauchen gar nicht viel um glücklich zu sein. Wir brauchen keinen dicken Dienstwagen, jeden Monat das neueste Geschäftshandy oder einen Privatparkplatz. Uns interessieren weiche Faktoren, wie flexible Arbeitszeiten, konstruktive Feedbacks und Wertschätzung unserer Leistungen. Unser neues Statussymbol ist die Selbstbestimmung.

 

Der innere Kampf der Generation Y

Wir sind zwar selbstbewusst und das spiegelt sich auch in unserem Auftreten wider, aber wir haben auch Zweifel. Ich wurde neulich gefragt wo ich mich in zehn Jahren sehe. Der Personaler bzw. der Chef erwarten darauf natürlich eine ambitionierte Antwort: Abteilungsleiter natürlich. Doch weiß ich das jetzt schon? Kann ich das jetzt schon mit Bestimmtheit sagen? Möchte ich nicht eher sagen: Das weiß ich eigentlich noch gar nicht. Soweit plane ich nicht in die Zukunft oder vielleicht komme ich dann gerade aus der Elternzeit zurück, weil Familie eine große Rolle in meinem Leben spielt. Doch das will man ja nicht so sagen. Und das ist die Crux, die Generation Y lebt im Jetzt und Hier und nicht in der Welt in 10-15 Jahren. Wir haben hohe Erwartungen an unsere zukünftigen Arbeitgeber aber auch an uns selbst. Wir sind optimistisch und anpassungsfähig, aber wir sind keine klassischen Arbeitnehmer, wie es unsere Eltern waren, die 20-30 Jahre in einen Unternehmen bleiben. Studien zeigen, dass viele von uns bereits nach einem Jahr oder weniger den Arbeitgeber wechseln oder sich zumindest überlegen was der nächste Schritt ist. Das zeugt aber nicht von geringem Durchhaltevermögen, sondern von der Neugier mehr Erfahrungen zu sammeln, Neues zu entdecken und vor allem sich weiterzuentwickeln.

 

 

Die vier F’s der Generation Y:

  1. Flexibilität – auch im Job
  2. Feedback – immer und gerne, aber bitte konstruktiv
  3. Freiraum – muss geboten sein, damit wie selbstbestimmt agieren können
  4. Familie – die muss mit dem Job vereinbar sein

 

 

Ein Gastbeitrag von Romina Becker, Vertreterin der Generation Y.

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Über den Autor:

  • Gerald Lembke

    Ich bin Gerald Lembke. Ich bin Autor, Redner, Digital-Wissenschaftler, leidenschaftlicher Vater und seit Kindesbeinen Musiker. Eigentlich arbeite ich als Professor für Medienmanagement. In Wirklichkeit helfe ich täglich jungen bis älteren Menschen, einen intelligenten Umgang mit Digitalen Medien zu finden: Klasse statt Masse für eine erfolgreiche Digitale Transformation. Folgen Sie mir und registrieren Sie sich kostenfrei für meinen Newsletter.

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