25. Februar 2019

Profs fressen Studierende – Das Wischmännchen

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Manchmal kommen mir während einer Reise komische Ideen, so auch jüngst mit dieser kleinen Parodie auf einen Klassiker. Wer erkennt ihn?

 

DAS WISCHMÄNNCHEN

 

Es war einmal ein Studierender, der mit seiner Mutter auf dem Dorf lebte. Seine Großmutter schenkte ihm ein neues Smartphone, das ihm so gut stand, dass es nichts anderes mehr in seinen Händen halten wollte. So nannte jeder den Studierenden das „Wischmännchen“.

 

Eines Tages sagte ihm seine Mutter: „Wischmännchen, hier ist ein Stück Kuchen und ein neuer Accu. Bring das der Großmutter hinaus. Sie ist krank und schwach, sie wird sich daran erfrischen. Wenn du hinaus kommst, geh sittsam und lauf nicht vom Weg ab. Sonst fällst du und zerbrichst den Accu und die arme Großmutter hat keinen Saft mehr.“

 

Wischmännchen nickte und machte sich auf den Weg. Im Wald traf der Studierende auf den großen bösen Professor. „Guten Tag Wischmännchen!“ sagte der Professor, „Schönen Dank!“ antwortete das Wischmännchen, denn es kannte den Professor noch nicht und wusste nicht, dass er so ein böses Wesen ist. Der Professor fragte, wo das Wischmännchen hingehe. Es antwortete: „Ich bringe meiner Großmutter Kuchen und einen Accu, denn sie ist ganz krank und sie schenken ihr Kraft.“

 

„Gut!“, dachte sich der Professor. „Die Großmutter und das Wischmännchen, die schnappe ich mir beide!“ Der Professor riet dem Wischmännchen sich die wunderschönen Blumen ringsumher anzuschauen. Das Wischmännchen schaute sich um und dachte sich, dass frische Blumen auf dem iPad der Großmutter sicher gut wirken würden. Der Studierende versuchte eine Blumenapp nach der anderen herunter zu laden und so kam es immer weiter vom Weg ab und ging immer tiefer in den Wald. Der Professor lief zum Haus der Großmutter und klopfte an ihre Tür: „Großmutter, hier ist das Wischmännchen! Ich bringe dir Kuchen, den Accu und frische Blumen, mach auf!“ Die Großmutter antwortete: „Ich bin zu schwach aufzustehen, drück nur auf die Klinke!“ Der böse Professor drückte die Klinke, lief schnell zum Bett der Großmutter und aß sie auf.

 

Der Professor zog sich die Kleider der Großmutter an, setzte ihre Haube auf, legte sich ins Bett und wartete auf das Wischmännchen. Als das Wischmännchen am Haus der Großmutter angekommen war, wunderte der Studierende sich, dass die Haustür offen stand. Er ging an das Bett der Großmutter und sagte: „Großmutter, was hast du für große Ohren!“ – „Dass ich dich besser hören kann!“ – „ Großmutter, was hast du für große Augen!“ – „Dass ich dich besser sehen kann!“ – „Großmutter, was hast du für einen großen Accu!“ – „Dass ich dich besser whatsappen kann!“ – „Großmutter, was hast du für ein großes Maul!“ – „Dass ich dich besser fressen kann!“ sagte der Professor und aß auch das Wischmännchen.

 

Als der Professor seinen Appetit gestillt hatte, legte er sich ins Bett, schlief ein und fing an, laut zu schnarchen. Das hörte der Jäger, der an dem Haus vorbei ging. „Wie die alte Frau schnarcht“, dachte er. Der Jäger ging in das Haus, um nachzuschauen, ob ihr was fehle und sah, wie der große böse Professor mit seinem dicken Bauch im Bett der Großmutter schlief. „Jetzt hab ich dich, du alter Sünder! Wie lange ich dich schon gesucht habe!“ dachte der Jäger und legte seine Büchse an. Da fiel ihm ein, dass der Professor die arme Großmutter gefressen haben könnte. Er nahm eine Schere und schnitt den dicken Bauch des Professors auf. Sofort sah er das Wischmännchen. Nach ein paar Schnitten konnte sich der Studierende befreien. „Ach, wie war ich erschrocken, wie war es dunkel in dem Professor seinem Leib!“, sagte das Wischmännchen.

 

Auch die Großmutter konnte aus dem Bauch des Professors gerettet werden. Der Jäger, Wischmännchen und die Großmutter holten große Steine und füllten damit den Bauch des Professors. Als er aufwachte, wollte er fortspringen, aber die Steine in seinem Leib waren so schwer, dass er gleich niedersank und tot umfiel.  Der Jäger zog seinen Pelz ab und ging damit nach Hause. Die Großmutter aß den Kuchen, lud Ihr iPad auf und erholte sich wieder. Das Wischmännchen dachte, dass sie nie wieder den Weg verlassen wolle, den sie eigentlich gehen sollte.

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Über den Autor:

  • Gerald Lembke

    Ich bin Gerald Lembke, Autor, Redner, Hochschullehrer, Vater und Musiker. Eigentlich arbeite ich als Professor für Digitale Medien, Medienmanagement und Kommunikation. In Wirklichkeit unterstütze ich täglich junge und ältere Menschen in ihren Lebensherausforderungen. Dazu gehört u. a. der sinnvolle und intelligente Umgangs mit digitalen Medien. Folge mir und registriere Dich für meinen kostenfreien Newsletter.

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