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Digitales Glück – Ohne Facebook & Co. glücklicher?

Digitales Glück: In 2015 veröffentlichte Facebook aktuelle Zahlen: Es gibt weltweit 1,39 Milliarden aktive Facebook-Nutzer, davon sind täglich 890 Millionen Menschen online. Pro Tag werden eine Milliarde Suchanfragen auf Facebook getätigt, es werden zwei  Milliarden Bilder pro Tag geteilt, drei Milliarden Videos angeschaut und sieben Milliarden Likes pro Tag verteilt.

 

Diese Zahlen sind enorm. Warum wird das Netzwerk so rege genutzt?

Laut des dänischen „Happiness Research Institute“ in Kopenhagen,  macht die Nutzung von Facebook unglücklich und verursacht Stress bei den Nutzern. Für die Studie aus dem Jahr 2015 hielten rund 1095 dänische Facebooknutzer für eine Woche Abstinenz vom sozialen Netzwerk. Das heißt kein „Liken“, kein „Sharen“ von Fotos, keine Statusmeldungen.

 

Das Ergebnis nach der Testwoche: Die Facebook-Abstinenten waren mit ihrem Leben zufriedener als die Nutzer der Kontrollgruppe, die ihr Verhalten in den sozialen Medien nicht änderte. Des Weiteren konnten sie sich besser konzentrieren, hatten das Gefühl, weniger Zeit verschwendet zu haben und waren glücklicher mit ihren sozialen Kontakten im echten Leben.

 

Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen bereits Forscher der Technischen Universität Darmstadt und der Humboldt-Universität Berlin. Ihre Studie aus dem Jahr 2013  “Envy on Facebook: A Hidden Threat to Users’ Life Satisfaction”  mit rund 600 Facebooknutzern in Deutschland zeigt, dass die Nutzung von Facebook starke starke negative Emotionen hervorruft. Und warum das so ist, zeigt diese Grafik:

 

 

Was ist der Grund des Unglücklichseins?

Neid scheint der überwiegende Auslöser für den Frust zu sein. Laut den Glücksforschern gibt es wohl einen direkten Zusammenhang zwischen Neid auf Facebook und der allgemeinen Lebens(un)zufriedenheit der Nutzer. Die Nutzer erfahren auf Facebook mehr über ähnliche Menschen und vergleichen sich damit. Dies betrifft vor allem die jüngeren Menschen und hier mehr Frauen als Männer. Sie sehen und interpretieren ein soziales Ranking. Ihre „Freunde“ stellen  ihr Leben häufig derart positiv dar, dass dies zu einem Gefühl der Minderwertigkeit führt. Und egal, ob die Darstellung nun stimmt oder nicht, was ja häufig nicht zu verifizieren ist, resultiert daraus Neid und Missgunst.

Das führt dann zu der Kaskadenwirkung sich genötigt zu sehen auch das eigene Bild im Netz „anzupassen“. Dieses gefakte Selbstbild mündet wiederum in ein übersteigerten Selbstbewusstsein, gepaart mit übersteigerten Erwartungen und der Überzeugung etwas Besonderes zu sein (siehe auch diesen Beitrag). Frust und Enttäuschungen entstehen, wenn sich diese Erwartungen nicht erfüllen. Denn: Glück = Realität – Erwartungen. Wenn es besser kommt, als man erwartet hat, ist man glücklich. Wenn es schlechter kommt als erwartet, ist man unglücklich. Der Abgleich des Selbstbildes mit dem in die Öffentlichkeit gepushten Fremdbild gelingt nicht. Und dieses selbst und vor allem falsch(!) inszenierte ambivalente Selbstbild (siehe auch diesen Beitrag zur Ambivalenz in Partnerportalen), kann zu Depression und im Extremfall zu pathologischen Erscheinungen führen.

 

Intelligente Menschen halten sich zurück

Eine Studie der OECD hat 2014 herausgefunden, dass in allen Ländern die Social-Media-Nutzer gebildeter sind als der Bevölkerungsdurchschnitt. Dies trifft auf die deutschen Nutzer jedoch nicht zu.

 

Quelle: OECD 2014

Die Studie zeigt, dass die sozialen Netzwerke umso mehr genutzt werden, je höher der Bildungsgrad ist. Nur in Deutschland ist das genau umgekehrt. Das gibt zu denken. Sind die höher Gebildeten also intelligenter, weil sie Facebook nicht nutzen? Und sind die Facebooknutzer dümmer, weil sie ungebildeter sind? Und warum ist das nur in Deutschland so?

Der Beantwortung dieser Fragen werden wir uns in künftigen Blogbeiträgen verstärkt widmen.

 

Macht Facebook einsam?

Pflegen die Facebook fernbleibenden gebildeten Deutschen mehr soziale Beziehungen als die Facebooknutzer? Zu überdenken ist die ausgiebige Nutzung von sozialen Medien allemal. Laut der ARD/ZDF-Onlinestudie 2014 waren in 2014 die Internetznutzer in Deutschland durchschnittlich 166 Minuten täglich im Internet. Die Studie Social Trends Social Media, April 2015, von Tomorrow Focus zeigt, dass über 50 Prozent soziale Plattformen mehrmals täglich nutzen. Davon ist Facebook mit 80 Prozent aller sozialen Netzwerke auf Platz 1 und wird am häufigsten benutzt.

 

Von den weltweit knapp 1,4 Milliarden aktiven Nutzern der Plattform, kommen  rund 28 Millionen aus Deutschland. Eine weitere Social Trends Studie, November 2014 von Tomorrow Focus zeigt, dass rund 50 Prozent der Meinung sind, dass das Internet das echte Leben und das soziale Miteinander zerstört. 46 Prozent sagen, dass sie gerne an einem Ort ohne Internetzugang und Handyempfang sind. Das Bedürfnis nach „Abschaltung“ und dem Zuwenden zum realen Leben ist in der Gesellschaft angekommen.

Es lassen sich eine Reihe wichtiger Punkte zusammenfassen:

  • Wir sind permanent online und vernetzt. Man darf nichts verpassen.
  • Wir sind aktiv dabei zu verlernen, den realen Moment zu genießen.
  • Multitasking ist und bleibt ein Märchen: Wir können nicht gleichzeitig Neuigkeiten auf Facebook checken und uns mit unserem Gegenüber unterhalten.
  • Die dauernde Fragmentierung und Konzentration auf die Ereignisse in sozialen Netzwerken fragmentiert unseren Alltag
  • Die Folge ist eine wachsende Konzentrationslosigkeit und zunehmende mangelnde Aufmerksamkeit auf reale Ereignisse
  • Die Virtualität verdrängt immer mehr Ihre reale Welt

 

Meiner Überzeugung nach ist das reale Leben wichtiger als jegliche Aktivitäten in den sozialen Netzwerken. Die Priorität sollte hier völlig klar sein: Erst mein Gegenüber oder meine Aufgabe, dann die sozialen Netzwerke. Das dies diametral anders ist, halte ich für beunruhigend, insbesondere für die Menschen, die eh schon Defizite in ihrem Glücksempfinden verspüren. Facebook & Co. werden diese nicht neutralisieren. Ganz im Gegenteil, der Sumpf wird sie weiter in die Tiefe ziehen. 

 

Es sollte darum gehen,  die eigene Mediennutzung zu reflektieren und bewusst digitale Auszeiten zu nehmen. „Digitale Entgiftung“ ist die Maxime. Ob die totale Abstinenz von sozialen Netzwerken glücklich(er) macht, ist auf lange Zeit nicht erwiesen. Auszeiten von Tagen und Wochen schaden jedoch keineswegs. 

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One thought on “Digitales Glück – Ohne Facebook & Co. glücklicher?

  1. Ein ganz toller Beitrag und eine sichere Erkenntnis, dass man trotz Internet, Facebook und die anderen sozialen Netzwerken, dass reale Leben, die sozialen Strukturen, das Mit- und Füreinander und die Gesellschaft um so wichtiger sind, und stets im Vordergrund stehen sollten!
    Danke, Herr Lembke! 🙂

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