KI einführen
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KI einführen! Das sagt die Studie „Europe 2031”

Ist das nicht irre?

Ein Software-Entwickler bei einer französischen Bank bekommt offiziell nur Zugang zu einem schwächeren, europäischen KI-Modell. Das bessere amerikanische Modell ist aus Datenschutzgründen gesperrt. Also kopiert er seine Dateien heimlich auf den privaten Laptop und arbeitet dort weiter.

Diese kleine Szene steht in einem Szenario, das mich seit ein paar Tagen nicht mehr loslässt: Europe 2031. Ein Forscherteam um den Niederländer Daan Juijn hat es veröffentlicht, und es macht gerade in Brüssel die Runde. Die Diagnose ist hart. Und sie stützt sich auf reale Zahlen.

  • 2025 verfügen die USA über 17,3 Gigawatt KI-Rechenleistung. Europa über 1,4 Gigawatt. Faktor zwölf.
  • Hochrechnung für 2029: USA 146,6 Gigawatt, Europa 12,8. Der Abstand bleibt riesig. Nur die Größenordnung wächst mit.

Solche Zahlen machen Schlagzeilen. Die Szene mit dem Bankangestellten halte ich trotzdem für überzeugender als jede Gigawatt-Statistik. Denn genau dieses Muster erlebe ich seit Jahren in deutschen Unternehmen, ganz ohne geopolitische Kulisse.

 

Meine eigene Geschichte mit dem Verbot

Die Szene erinnert mich an meine Zeit als Digitalmanager bei Bertelsmann, Ende der Neunzigerjahre.

Ich durfte damals nicht im Internet surfen. Firmenpolitik. Ich tat es trotzdem, weil ich wissen wollte, wohin sich diese Technologie entwickelt. Ich wurde gefeuert.

Heute, fast dreißig Jahre später, sehe ich dasselbe Muster wieder. Es trägt nur einen anderen Namen: KI-Souveränität statt Internet-Policy. Mitarbeitende bekommen ein schwächeres, „sicheres“ Tool und kaum Zeit, es wirklich zu lernen. Wer ernsthaft vorankommen will, organisiert sich seinen Zugang selbst. Mit oder ohne Erlaubnis.

Mein Learning aus dieser Geschichte: Ein Rechenzentrum baut keine Kompetenz auf. Führung tut das. Bildung tut das. Klare Entscheidungen für echte Prozessveränderung tun das. Und der Wille zum progressiven Change tut das, der Wille, etwas zu verändern, auch wenn es unbequem wird.

Was ich daraus an meine Studierenden weitergebe

Genau dieses Learning gebe ich an meine Studierenden an der DHBW Mannheim weiter: Wartet nicht, bis Europa irgendwas auf die Kette bekommt. Startet los mit dem, was es gibt, und verschafft euch einen Wettbewerbsvorteil, während andere noch auf Förderbescheide warten.

Deshalb bilde ich Studierende aus, die solche KI-Projekte wirklich umsetzen lernen und in die Praxis übertragen können, im echten Unternehmen, mit echten Prozessen.

 

Was von den großen Förderversprechen übrig bleibt

Auch die großen Fördersummen wirken bei genauem Hinsehen kleiner. Der 200-Milliarden-Euro-Fonds InvestAI, 2025 in Paris angekündigt, besteht laut Szenario größtenteils aus bereits vorhandenen Mitteln, gestreckt über fünf Jahre. Amerikanische Tech-Konzerne haben allein 2025 mehr als 400 Milliarden Dollar in eigene Rechenzentren gesteckt.

Das Szenario beschreibt später ein Phänomen, das die Autoren „Pseudoarbeit“ nennen. Beschäftigte loggen sich ein, sitzen Meetings ab, lassen aber den Großteil ihrer Aufgaben von KI-Agenten erledigen, in einem Bruchteil der Zeit. Am Ende zahlen Unternehmen doppelt: für die KI-Lizenz und für eine Belegschaft, die formal beschäftigt, aber kaum noch produktiv eingebunden ist.

 

KI einführen! Mein Fazit als Digital-Realist

Europas Lücke bei der Rechenleistung ist real, und sie ist ernst. Sie erklärt aber nicht, warum so viele deutsche Mittelständler heute KI-Lizenzen besitzen und trotzdem kaum Fortschritt sehen. Diese Lücke liegt woanders: bei Führungskräften, die KI an die IT-Abteilung delegieren. Bei Weiterbildungsbudgets, die für eine Software-Einführung reichen, aber nicht für echten Kompetenzaufbau. Bei Mitbestimmungsprozessen, die wichtig sind, aber oft zur Verzögerungsstrategie werden.

Wer auf die nächste Milliardenförderung wartet, wartet auf die falsche Lösung. Die entscheidende Frage für 2026 lautet: Bringt ein Unternehmen seinen Menschen heute bei, mit KI sinnvoll zu arbeiten, mit klaren Regeln, echtem Training und Führungskräften, die Verantwortung übernehmen?

Wer das vollständige Szenario lesen möchte: europe2031.ai/de. Lesedauer etwa 45 Minuten. Lohnt sich.

 

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